Warum Magnesium auf dem Turnier selten das Problem ist
Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris fiel ein Wallach in der Dopingprobe auf. Die Spur führte zu einem Ergänzungsfutter, das Ruhe bringen sollte — auf Basis von Magnesium. Am Ende standen fünf Monate Sperre und eine gestrichene Olympia-Platzierung.¹
Und doch war es nicht das Magnesium.
Der positive Befund hieß Trazodone, ein Beruhigungswirkstoff, der über ein verunreinigtes Rohmaterial in das Produkt geraten war. Das Magnesium selbst stand zu keinem Zeitpunkt zur Debatte. Genau dieser Unterschied ist die ganze Geschichte: Wer sein Pferd mit Magnesium auf ein Turnier vorbereitet, stolpert fast nie über das Mineral. Sondern über das, was daneben in der Dose steckt.
Was im Regelwerk wirklich steht
Die Anti-Doping- und Medikamentenkontroll-Regeln der FN — kurz ADMR — führen eine kurze Liste von Dingen, die rund um den Wettkampf ausdrücklich erlaubt sind. Darunter, fast beiläufig im Wortlaut: die orale Verabreichung von Mineralstoffen, Vitaminen und Elektrolyten.²
Magnesium ist ein Mineralstoff. In dieser Ausnahme taucht es nicht namentlich auf — es muss das auch nicht, die Kategorie genügt.
Wer es genauer wissen will, kann jede Substanz in der ADMR-Suchmaschine der FN nachschlagen, einer Datenbank mit über neunhundert Einträgen.³ Einen Eintrag, der Magnesium als verbotenen Stoff führt, findet man dort nicht. Damit ist die Frage, die so viele Reiter umtreibt, im Kern beantwortet, lange bevor es kompliziert wird. Wie sich das in die größere Logik der dopingkonformen Magnesium-Anwendung im Turniersport einfügt, lohnt einen eigenen Blick.
Ein Detail bleibt dabei wichtig: Die Erlaubnis gilt für die Gabe über das Maul. Oral. Nicht automatisch für jede Form.
Der eigentliche Stolperstein sind die Zusätze
Viele Produkte, die unter dem Stichwort Magnesium verkauft werden, sind keine reinen Mineralstoffe. Gerade Beruhigungs-Ergänzungen mischen gern etwas dazu — L-Tryptophan zum Beispiel, oder beruhigende Kräuter. Und genau solche Begleitstoffe sind es, die in der ADMR-Suchmaschine plötzlich einen Konflikt auslösen: nicht das Magnesium, sondern das, was es begleitet. Manche dieser Stoffe sind nur unterhalb einer niedrigen Schwelle und mit einer Karenzzeit erlaubt.
Der Fall aus Paris zeigt die zweite Variante: die Verunreinigung. Ein Produkt kann auf dem Etikett tadellos aussehen und trotzdem Spuren von etwas enthalten, das dort nichts zu suchen hat. Die ADMR kennen kein Versehen — nachgewiesen ist nachgewiesen.
Daraus folgt eine schlichte Gewohnheit, die mehr schützt als jede Faustregel: das Etikett lesen. Ein reines Magnesiumprodukt nennt Magnesium und sonst wenig. Je länger die Zutatenliste, desto eher lohnt der Abgleich mit der Suchmaschine — in Ruhe, ein paar Wochen vor dem Start, nicht am Hänger.
Die eine Ausnahme: die Spritze
Es gibt einen Ort, an dem Magnesium tatsächlich auf einer Verbotsliste steht. Auf der Equine Prohibited Substances List der FEI erscheint es genau einmal — als Magnesiumsulfat in injizierter Form, geführt als kontrollierte Medikation.⁴ Orales und äußerlich angewendetes Magnesium kommen auf dieser Liste nicht vor.
Die injizierte Form ist eine andere Welt: tierärztliches Terrain, eine Anwendung, der man eine dämpfende Wirkung nachsagt. Für den Futtereimer im Stall ist sie ohne Bedeutung. Aber sie erklärt, warum das Wort Magnesium gelegentlich in Doping-Schlagzeilen auftaucht — und warum es sich lohnt, die Spritze gedanklich sauber von der Handvoll Pulver im Futter zu trennen.
Topisch: die ehrliche Grauzone
Bleibt die äußerliche Anwendung — Spray, Öl, ein Bad mit Magnesiumflakes. Hier wird die Auskunft ehrlicher Weise unschärfer. Äußerlich aufgetragenes Magnesium ist in den ADMR nicht ausdrücklich geregelt: weder als erlaubt gelistet noch als verboten. Die klare Ausnahme im Regelwerk bezieht sich auf die orale Gabe, nicht auf die Haut.
Nicht gelistet heißt nicht automatisch unbedenklich. Sobald einem Mittel eine therapeutische Wirkung zugeschrieben wird, kann es grundsätzlich in den Blick der ADMR geraten — auch äußerlich. Und ob über die Haut überhaupt nennenswert Magnesium in den Körper gelangt, ist wissenschaftlich bislang nicht belegt; das ist eine eigene Geschichte für sich. Wer hier vorsichtig bleibt und im Zweifel die Suchmaschine bemüht, liegt selten falsch.
Was bleibt
Der Wallach aus Paris ist ein gutes Mahnbild — aber nicht gegen Magnesium. Er erinnert daran, dass die heikle Stelle fast immer woanders sitzt als dort, wo man sie vermutet: im Zusatz, in der Verunreinigung, in der Spritze. Das Mineral selbst gehört zu den wenigen Dingen, die das Regelwerk rund um den Wettkampf ausdrücklich durchgehen lässt.
Die ADMR werden regelmäßig neu aufgelegt, und im Zweifel entscheidet die jeweils aktuelle Fassung. Ein Blick in die Suchmaschine kostet zwei Minuten. Die Ruhe, mit der man danach an den Start geht, deutlich mehr wert.
Quellen
¹ FEI-Tribunal / Berichterstattung 2024 — Fall Paris 2024 (verunreinigtes Magnesium-Supplement, Trazodone) — eventingnation.com — https://eventingnation.com/manufacturer-of-relax-pro-responds-to-recent-fei-tribunal-decision-at-paris-olympics/
² FN — Anti-Doping- und Medikamentenkontroll-Regeln (ADMR), Anhang IV (Ausnahmen) — Deutsche Reiterliche Vereinigung — https://www.pferd-aktuell.de/shop/downloadable/download/sample/sample_id/29/
³ FN — ADMR-Suchmaschine „Fairer Sport“ — Deutsche Reiterliche Vereinigung — https://www.pferdesport-deutschland.de/turniersport/anti-doping-und-medikation
⁴ FEI — Equine Prohibited Substances List 2026 (Magnesium sulphate, injection — Controlled Medication) — Fédération Equestre Internationale — https://inside.fei.org/sites/default/files/2026%20Prohibited%20Substances%20List.pdf
Häufige Fragen
- Ist Magnesium im Turniersport erlaubt?
- Ja — die orale Gabe von Mineralstoffen wie Magnesium ist nach den ADMR rund um den Wettkampf ausdrücklich erlaubt. Zum Problem wird es erst durch bestimmte Zusätze oder durch eine injizierte Form.
- Warum taucht Magnesium trotzdem in Doping-Schlagzeilen auf?
- Meist steckt nicht das Magnesium dahinter, sondern Begleitstoffe wie L-Tryptophan, eine Verunreinigung des Produkts — oder die injizierte Form Magnesiumsulfat, die bei der FEI als kontrollierte Medikation gilt.
- Gilt die Erlaubnis auch für Magnesiumspray oder -bäder?
- Äußerlich angewendetes Magnesium ist in den ADMR nicht ausdrücklich geregelt — die klare Ausnahme bezieht sich auf die orale Gabe. Bei äußerlichen Produkten mit Wirkversprechen lohnt ein Blick in die ADMR-Suchmaschine.